14. Februar 2020

Innovation

von Katrin Ostermeier

Die Welt wird schneller, dynamischer und komplexer, der Wettbewerb global. Wer am Markt bestehen will, muss sich diesen Herausforderungen stellen. Das Schlagwort heißt „Innovation“. Innovationen sind nichts Neues. So wird Henry Ford das Zitat zugeschrieben „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“ In der heutigen Zeit hat man jedoch den Eindruck, dass eine Innovation die nächste jagt. Die Kombination aus Digitalisierung und Globalisierung verleiht Innovationen eine völlig neue Dynamik. Eindrucksvolle Beispiele für so genannte „disruptive Innovationen“ lieferte Steve Jobs mit dem Unternehmen Apple. Er bewies, dass ein Unternehmen durch Innovationen in der Lage ist, etablierte Großkonzerne und langjährige Marktführer zu verdrängen. Der iPod eroberte den bis dato vom Sony-Walkman besetzten Musikmarkt; das iPhone trieb den Handy-Weltmarktführer Nokia fast in den Konkurs. Heute ist das Smartphone aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken

Disruptiv versus evolutionär

Der Hype nach Innovationen versetzt ganze Branchen in Panik. Innovative Startups werden eingekauft, in Accelerator Programmen hochgezüchtet, um dem Konzern die heiß ersehnte Innovation von außen zu bringen. Das ist eine Möglichkeit – aus unserer Sicht passiert jedoch etwas Fatales. Denn: Die meisten Innovationen sind nicht disruptiv – sondern evolutionär. Und sie passieren nicht „out of the box“ sondern werden „inside the box“ entwickelt. Bei der verzweifelten Suche nach disruptiven Lösungen werden dabei wichtige Potenziale völlig übersehen. Viele Unternehmen verfallen in chaotischen Aktionismus, ganz nach dem schönen Zitat von Mark Twain: „Nachdem wir das Ziel völlig aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen“.  

Hier zwei unserer Lieblingsbeispiele für inside the box bzw. evolutionäre Innovationen.

Der Fosbury Flop:

Die meisten von uns erinnern sich ungern an den Sportunterricht, insbesondere das Thema Leichtathletik. Und noch schlimmer: Hochsprung. Rückwärts über die Stange, der so genannte „Flop“, ist eine der revolutionärsten Erfindungen der Sportgeschichte. Mit seiner innovativen Sprungtechnik gewann Dick Fosbury 1968 mit 21 Jahren die Olympischen Spiele. Interessant für uns ist, dass er die Welt erst 1968 in Staunen versetzte, als er eindeutig rückwärts über die Stange sprang. Eine radikale Innovation zu den bis dato bekannten Techniken des Scherensprungs oder dem Straddle („Bauchwälzer“). Was aber kaum jemand beachtet, ist, dass Fosbury diese Technik Schritt für Schritt, also inkrementell entwickelte. Anpassung der Anlaufkurve, des Absprungwinkels, Drehung usw. Step by Step, über Jahre hinweg. Die Schritte waren jedoch so klein, dass die Innovation erst bemerkt wurde, als die Sprungtechnik so eindeutig anders war. Eine vermeintlich radikale Innovation ist also in Wahrheit evolutionär entstanden.



Der BMW Touring

Es war einmal… der Karosseriebaumeister Max Reisböck, der für seinen Arbeitgeber BMW leidenschaftlich Fahrzeuggestelle baute. Als in den 80er Jahren seine Familie wuchs, wurde sein damaliger 3er BMW zu klein für die Urlaubsreisen. Eine größere Limousine konnte er sich nicht leisten – und so beschloss er kurzerhand, sich selbst einen Kombi zu bauen, den BMW damals nicht produzierte. Material suchte er äußerst kreativ. Die Heckscheibe nahm er von einem VW Passat. Die fand er, als er während eines Fußballspiels im Münchner Olympiastadion mit einem Maßband auf dem Parkplatz umherlief und nach geeignetem Material suchte. Sein Arbeitgeber war vom Resultat des selbst gebauten Kombis so beeindruckt, dass er den BMW Touring in Serie produzieren ließ. 

Ein großartiges Beispiel dafür, dass die besten Ideen inside the box entstehen. Nämlich: von den eigenen Mitarbeitern kommen und auf bestehenden Prinzipien aufbauen.

Innovation ist Kulturfrage

Großartige Innovationen werden von Menschen gemacht. Anstatt sich also auf neue Apps, künstliche Intelligenzen u.ä. zu konzentrieren, fordern wir Unternehmen vehement dazu auf, sich zuerst um ihre Mitarbeiter zu kümmern. Denn hier liegen die Potenziale und die verborgenen Schätze, die es zu bergen gilt. Das ist eine klare Frage der Kultur. Für kreative Ideen braucht es Freiräume, Motivation, Lust, inspirierenden Austausch und vor allem die Möglichkeit, mitgestalten zu dürfen. Nur wer dies absolut unterbinden möchte, konzentriert sich weiterhin auf hierarchische Machtkämpfe, überregulierte Strukturen und vermeintliche Heilslösungen von außen – sei es in Form von eingekauften Technologien oder Beraterleistungen. Alles eine Frage der Haltung und der strategischen Ausrichtung.

Inside the box – 5 Steps

Wir arbeiten gerne mit der kreativen Inside the Box Technik. In der kaos Philosophie bedeutet das: gezielt mit dem arbeiten, was bereits da ist, es Stück für Stück anpassen, verbessern, optimieren und vor allem, die Menschen dabei einzubeziehen um die es geht.

Die Kreativtechnik Inside the Box bietet 5 Schritte für evolutionäre Innovationen:

© kaos GmbH | Landwehrstraße 35, 80336 München
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