New Work: Wenn 5 Generationen die Arbeitswelt gestalten

Fünf Generationen im Team: Babyboomer, Generation X, Generation Y, Generation Z und Generation Alpha

Warum Generationen für mich zu New Work gehören

Wer über New Work spricht, beschäftigt sich damit, wie wir heute und in Zukunft arbeiten wollen.

Mich interessiert dabei auch, woher wir kommen. Denn unsere Vorstellungen von Arbeit sind nicht einfach da. Sie sind in einer bestimmten Zeit entstanden – unter bestimmten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen, mit den Technologien, Rollenbildern und Möglichkeiten dieser Zeit. Und diese Geschichte beginnt nicht mit Gen Z.

Die Nachkriegskinder haben eine Arbeitswelt erlebt und geprägt, die stark von Wiederaufbau, wirtschaftlichem Aufschwung und dem Wunsch nach Sicherheit bestimmt war. Die Babyboomer sind in diese Arbeitswelt hineingewachsen und haben sie über Jahrzehnte mitgestaltet. Gen X erlebte den Einzug von Computern und  große gesellschaftliche Umbrüche. Gen Y wurde mit Internet und Globalisierung erwachsen und hat Agilität, New Work und neue Vorstellungen von Führung mit vorangetrieben.

Heute kommt Gen Z in eine Arbeitswelt, an der all diese Generationen bereits gebaut haben. Und mit Gen Alpha beginnt gerade die nächste Generation, ihren Platz darin einzunehmen.

Arbeitswelt verändert Generationen. Und Generationen verändern Arbeitswelt.
‍
Diese Perspektive finde ich in beide Richtungen wichtig. Jüngere Generationen finden Strukturen, Hierarchien und Vorstellungen von Arbeit vor, die lange vor ihnen entstanden sind. Präsenzkultur, Karrierewege oder ein bestimmtes Verständnis von Führung wurden nicht erfunden, um junge Menschen heute zu gängeln. Sie sind unter anderen Bedingungen entstanden und hatten dort ihre Berechtigung.
‍
Umgekehrt können ältere Generationen nicht erwarten, dass eine Arbeitswelt unverändert bleibt, nur weil sie für sie lange funktioniert hat. Denn die Welt drumherum hat sich verändert.

Technologischer Fortschritt und Digitalisierung haben Arbeit grundlegend verändert. Internationalisierung hat Grenzen verschoben. Rollenbilder und Familienmodelle sind andere geworden. Und auch unsere Gesellschaft ist demokratischer geworden: mehr Mitsprache, mehr Augenhöhe, weniger unhinterfragte Autorität – in Familien, in Bildung und schließlich auch in Unternehmen. Wer so aufwächst, bringt andere Erwartungen mit zur Arbeit.

Generationen stehen immer auch für einen Zeitgeist. Und dieser Zeitgeist sitzt mit am Besprechungstisch.
‍
Das ist besonders relevant, weil inzwischen bis zu fünf Generationen gleichzeitig in Unternehmen arbeiten. Die Lebensarbeitszeit wird länger. Babyboomer sind teilweise noch berufstätig, während die ersten Angehörigen der Gen Alpha jetzt in Ausbildung und Berufsleben starten. Dazwischen arbeiten Gen X, Gen Y und Gen Z.

Fünf Generationen wären schon unter stabilen Bedingungen interessant. Unsere Bedingungen sind alles andere als stabil. Gerade in den vergangenen Jahrzehnten haben technologische und gesellschaftliche Entwicklungen enorm an Geschwindigkeit gewonnen. Zwischen den Erfahrungswelten eines Babyboomers und eines Gen Zers liegen deshalb nicht einfach ein paar Jahrzehnte. In manchen Bereichen liegen Welten dazwischen. Und trotzdem sollen alle gemeinsam führen, entscheiden, kommunizieren, Konflikte lösen, Veränderungen gestalten – und irgendwie auch noch ein Team sein.

Genau hier wird die Generationenperspektive für mich interessant: Sie hilft zu verstehen, warum Menschen bestimmte Dinge für selbstverständlich halten, andere infrage stellen und an manchen Stellen ziemlich unterschiedliche Erwartungen an Arbeit haben.

Generationen tragen den Zeitgeist, in dem sie aufwachsen, mit ins Unternehmen. Und dort muss daraus eine gemeinsame Arbeitswelt entstehen.
‍
Deshalb gehört die Beschäftigung mit Generationen für mich zu New Work. Die Generationenperspektive kann nicht erklären, wie ein einzelner Mensch tickt. Das soll sie auch gar nicht. Aber sie hilft, Entwicklungen einzuordnen, Unterschiede besser zu verstehen und den Blick dafür zu öffnen, warum wir heute da stehen, wo wir stehen – und was sich gerade verändert.
‍

Was hat uns geprägt?

Die Idee, Menschen auch im Kontext ihrer Generation zu betrachten, ist nicht neu. Bereits 1928 beschäftigte sich der Soziologe Karl Mannheim mit der Frage, was eine Generation eigentlich verbindet. Sein Gedanke: Entscheidend ist nicht allein, was gesellschaftlich passiert. Entscheidend ist auch, wann in unserem Leben es passiert.

‍
Krieg, wirtschaftlicher Aufschwung, Emanzipation, Globalisierung, Internet, Smartphone, Pandemie oder KI treffen Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen – und werden entsprechend unterschiedlich wahrgenommen. Wer als Kind erlebt, dass die eigenen Eltern nach dem Krieg eine neue Existenz aufbauen, wächst mit anderen Selbstverständlichkeiten auf als jemand, dessen Jugend von Social Media, Klimakrise und Pandemie geprägt ist. Wer mit klaren Autoritäten und klassischen Rollenbildern groß geworden ist, startet mit anderen Erfahrungen ins Berufsleben als jemand, der von klein auf mitreden, hinterfragen und mitentscheiden durfte. Und wer Digitalisierung als fundamentalen Wandel der eigenen Arbeitswelt erlebt hat, blickt anders darauf als jemand, für den eine Welt ohne Internet schlicht nicht existiert.

Genau darin liegt für mich der Wert der Generationen-Hypothese: Menschen einer Generation sind nicht gleich. Aber sie sind in einer ähnlichen Zeit groß geworden. Herkunft, Kultur und individuelle Biografie spielen natürlich genauso eine Rolle. Der Zeitgeist, in dem wir aufwachsen, hinterlässt trotzdem Spuren. Und diese Spuren nehmen wir mit zur Arbeit.
‍

Jede Generation findet eine andere Arbeitswelt vor

Jede Generation startet an einem anderen Punkt. Was für die einen erkämpft, neu oder sogar revolutionär war, ist für die nächste Generation bereits selbstverständlich. Bevor wir also auf die fünf Generationen schauen, die heute in unseren Unternehmen aufeinandertreffen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Generation davor.

Die Nachkriegskinder: Sicherheit ist nicht selbstverständlich‍

Die Nachkriegskinder wurden in eine Welt hineingeboren, in der vieles fehlte. Wohnraum, Lebensmittel, Geld – und oft auch die Väter. Der Krieg war vorbei, seine Folgen aber überall präsent.

Dann kam der Wiederaufbau. Das Wirtschaftswunder. Wachsender Wohlstand. Ein eigenes Auto, eine größere Wohnung, Urlaub – Dinge, die plötzlich möglich wurden und keineswegs selbstverständlich waren. Arbeit spielte dabei eine zentrale Rolle. Sie sicherte die Existenz und ermöglichte sozialen Aufstieg. Fleiß, Disziplin und Verlässlichkeit hatten einen hohen Stellenwert. Gleichzeitig waren Hierarchien klar und Rollen deutlich verteilt – in Unternehmen genauso wie in Familien.

Diese Generation hat aufgebaut. Im ziemlich wörtlichen Sinne. Und sie hat eine Arbeitswelt hinterlassen, in die die Babyboomer hineingewachsen sind: wirtschaftlich stärker, sicherer und voller Möglichkeiten, die ihre Eltern in ihrer eigenen Jugend noch nicht hatten.

‍
‍

Illustration Generation Babyboomer

Babyboomer - Fleiß, Loyalität und das Versprechen von Stabilität

Die Babyboomer, ungefähr zwischen 1950 und 1964 geboren, wachsen in eine andere Welt hinein als die Generation ihrer Eltern.

Die Nachkriegskinder haben wiederaufgebaut. Jetzt wächst der Wohlstand. Die Wirtschaft boomt, Unternehmen wachsen, Arbeitskräfte werden gebraucht. Für viele eröffnen sich Möglichkeiten, die ihre Eltern so nicht hatten. Und es gibt ein ziemlich starkes Versprechen: Wer fleißig ist, kann sich etwas aufbauen. Einen sicheren Arbeitsplatz. Eine Familie. Ein Auto. Ein eigenes Haus.

Dafür muss man nicht zwingend studiert haben. Auch mit Ausbildung und einem soliden Beruf ist gesellschaftlicher und materieller Aufstieg möglich. Arbeit schafft Sicherheit.

Das prägt auch das Verhältnis zum Arbeitgeber. Viele Babyboomer bleiben einem Unternehmen über Jahre oder sogar Jahrzehnte verbunden. Loyalität funktioniert dabei in beide Richtungen: Wer sich einbringt, zuverlässig ist und gute Arbeit leistet, kann seinerseits mit Sicherheit, Entwicklung und einem verlässlichen Einkommen rechnen.

‍Fleiß und Loyalität lohnen sich. Aus heutiger Perspektive wirken lange Betriebszugehörigkeiten manchmal wenig flexibel. Für diese Generation können sie etwas ganz anderes bedeuten: Verlässlichkeit, Zugehörigkeit und Erfolg. Gleichzeitig wachsen die Babyboomer in eine Arbeitswelt mit klaren Hierarchien und Rollen hinein. Führung entscheidet, Erfahrung zählt und beruflicher Aufstieg braucht Zeit. Präsenz gehört selbstverständlich zur Arbeit.

Aber auch diese Generation übernimmt die Welt nicht einfach unverändert. In ihre Jugend und ihr Erwachsenenleben fallen große gesellschaftliche Umbrüche: Studentenbewegung, Emanzipation, neue Familienbilder und eine zunehmende Liberalisierung. Autoritäten werden stärker hinterfragt, Rollen verändern sich und Lebensentwürfe werden vielfältiger.

Die Babyboomer finden also eine Arbeitswelt vor, die stark von Wiederaufbau und Sicherheit geprägt ist. Sie erleben Wohlstand und Aufstieg – und gestalten Unternehmen über Jahrzehnte mit.

‍Sie erfahren: Arbeit kann Sicherheit schaffen. Fleiß kann Wohlstand ermöglichen. Und Loyalität kann sich auszahlen.

Illustration Generation X

Generation X - Karriere, Internationalisierung und digitaler Aufbruch

Generation X, ungefähr zwischen 1965 und 1979 geboren, wächst in eine Welt hinein, in der vieles sicherer und wohlhabender geworden ist. Gen X kann darauf aufbauen.

Und die Möglichkeiten werden größer. Die Wirtschaft wird internationaler, die USA prägen Kultur und Wirtschaft, globale Unternehmen gewinnen an Bedeutung. Wall Street, Yuppies und später der Dotcom-Boom stehen für eine Zeit, in der Karriere und individueller Erfolg eine enorme Strahlkraft entwickeln.

‍Gen X lernt: Leistung lohnt sich.
‍
Das ist etwas anderes als das Arbeitsethos der Generation davor. Für viele Babyboomer gehören Fleiß, Loyalität und lange Betriebszugehörigkeit zusammen. Gen X bleibt ebenfalls leistungsorientiert – aber der Blick richtet sich stärker auf die eigene Karriere. Der nächste Schritt kann auch in einem anderen Unternehmen liegen.

Gleichzeitig bekommt der Fortschrittsglaube Risse. Umweltverschmutzung, Waldsterben und Atomkraft werden zu großen gesellschaftlichen Themen. Die Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegung gewinnt an Kraft, die Grünen ziehen in die Parlamente ein. Spätestens mit Tschernobyl wird sehr konkret, dass technologischer Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum auch Risiken und Grenzen haben.

‍Gen X erlebt beides: die Verheißung von Wachstum – und die Diskussion über seine Folgen. Und dann verändert Technologie die Arbeitswelt selbst. Gen X wächst noch analog auf. Schreibmaschine, Festnetz und Fax gehören ebenso selbstverständlich zu ihrer Erfahrungswelt wie später PC, E-Mail, Internet und Smartphone.

‍Diese Generation gestaltet beide Welten. Sie erlebt nicht nur neue Technologien, sondern muss ihre Arbeitsweise immer wieder an sie anpassen. Kommunikation wird schneller, Unternehmen vernetzter, Märkte globaler. Englisch wird im Berufsleben wichtiger, internationale Zusammenarbeit selbstverständlicher.

Auch gesellschaftlich verändert sich viel. Rollenbilder werden offener, Frauen verfolgen selbstverständlicher eigene berufliche Karrieren, Autoritäten werden weiter infrage gestellt und Lebensentwürfe vielfältiger.

Gen X findet also noch eine vergleichsweise klassische Arbeitswelt vor – mit Hierarchien, Präsenz und klaren Karrierewegen. Aber die Welt, in der sie Karriere macht, wird internationaler, digitaler und schneller.

‍Gen X macht Karriere – und erlebt gleichzeitig, wie sich die Spielregeln verändern.

Illustration Generation Y

Generation Y (Millennials) - Freiheit, Möglichkeiten und die Frage nach dem Sinn

Generation Y, ungefähr zwischen 1980 und 1994 geboren, erlebt eine Welt, die sich in erstaunlichem Tempo öffnet.

Der Kalte Krieg endet, die Mauer fällt, Europa wächst zusammen. Grenzen verschwinden, Reisen wird einfacher und selbstverständlicher. Austauschprogramme und Auslandssemester bringen eine neue Generation durch Europa und weit darüber hinaus.

‍Die Welt wird größer – und sie fühlt sich freier an.
‍
Gleichzeitig öffnet sich eine zweite Welt. Computer stehen plötzlich zu Hause, mit AOL geht es ins Internet, Google verändert den Zugang zu Wissen und Amazon den Konsum. E-Mail verbindet Menschen in Sekunden über Kontinente hinweg. Start-ups zeigen, dass Unternehmen, Geschäftsmodelle und Karrierewege auch ganz anders aussehen können.

Und dann wird das Internet mobil. Gen Y erlebt den Siegeszug des Smartphones in Jugend und jungem Erwachsenenalter. Kommunikation, Information und schließlich auch Arbeit sind immer weniger an einen bestimmten Ort gebunden.

Viele Millennials in Europa wachsen zudem in vergleichsweise stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen auf. Die Generation ihrer Eltern hat Wohlstand aufgebaut und ermöglicht ihren Kindern Ausbildung und Studium, Reisen und Auslandsaufenthalte. Der Radius wird größer – geografisch und im eigenen Lebensentwurf. Viele ziehen für Studium oder Beruf von zu Hause weg. Partnerschaft, Heirat und Familiengründung verschieben sich nach hinten. Der eigene Lebensweg ist weniger vorgegeben und bietet mehr Raum zum Ausprobieren.

‍Freiheit wird zu einer prägenden Erfahrung dieser Generation.
‍
Und mit der Freiheit gewinnt auch die Frage nach dem Sinn an Bedeutung. Wenn Existenzsicherung nicht mehr im gleichen Maß im Vordergrund steht und viele Wege offenstehen, wird wichtiger, welcher davon zum eigenen Leben passt. Das gilt auch für Arbeit. Beruf ist nicht mehr nur Existenzsicherung oder Karriereweg. Arbeit soll interessant sein, Entwicklung ermöglichen und idealerweise einen Sinn haben.

Die offene Welt bekommt allerdings auch Risse. Der 11. September 2001 verändert den Blick auf Globalisierung und Sicherheit, die Dotcom-Blase platzt und 2008 folgt die globale Finanzkrise. Die Möglichkeiten bleiben – die Gewissheit, dass Offenheit und Fortschritt automatisch in eine immer bessere Zukunft führen, nicht.

Auch die Arbeitswelt wird weitergedacht. Flexibilität und Vereinbarkeit gewinnen an Bedeutung. Homeoffice, Remote Work, Workation und digitale Nomaden stehen für die Idee, Arbeit stärker an das eigene Leben anzupassen. Führung wird hinterfragt, Hierarchien werden flacher und Beteiligung wichtiger. In dieser Zeit gewinnen auch New Work und Agilität an Bedeutung. Selbstorganisation, Zusammenarbeit und eine andere Vorstellung von Führung finden ihren Weg in immer mehr Unternehmen.

Gen Y hat all das nicht allein erfunden. Aber sie hat vieles davon ausprobiert, vorangetrieben und in die Unternehmen getragen.

‍Arbeit soll nicht mehr nur Sicherheit geben oder Karriere ermöglichen. Sie soll zum eigenen Leben passen – und idealerweise einen Sinn haben.

Illustration Generation Z

Generation Z - Selbstbewusst, vernetzt und anspruchsvoll

Generation Z, ungefähr zwischen 1995 und 2009 geboren, kennt eine Welt voller Möglichkeiten – und erlebt gleichzeitig, wie unsicher diese Welt sein kann.

Klimakrise, politische und wirtschaftliche Unsicherheit, Krieg in Europa gehören zu ihren prägenden Erfahrungen. Gleichzeitig sind Bildung, Reisen, unterschiedliche Lebensentwürfe und berufliche Möglichkeiten so vielfältig wie nie zuvor.

Auch gesellschaftlich hat sich viel verändert. Gen Z wird stärker als die Generationen vor ihr auf Augenhöhe erzogen. Kinder werden in Entscheidungen einbezogen, ihre Meinung wird ernst genommen, Regeln werden erklärt. Autorität ergibt sich weniger selbstverständlich aus Alter oder Position.

Augenhöhe ist für Gen Z keine neue Führungsidee. Sie kennt sie von zu Hause.

‍
Gen Z ist die erste Generation, die mit Smartphone, Social Media und permanenter digitaler Vernetzung groß wird. Kommunikation ist unmittelbar, Wissen jederzeit verfügbar, Feedback allgegenwärtig. Gleichzeitig ist auch das Leben der anderen ständig sichtbar. Die Möglichkeiten werden größer – und mit ihnen der Vergleich und die Sorge, etwas zu verpassen.

Die Pandemie verstärkt die Erfahrung von Unsicherheit noch einmal. Für einen großen Teil der Gen Z fällt sie mitten in Schule, Ausbildung, Studium oder den Einstieg ins Berufsleben. Lernen, Arbeiten und soziale Kontakte verlagern sich innerhalb kürzester Zeit ins Digitale.

Mit dieser Erfahrungswelt kommt Gen Z heute in die Unternehmen. Sie tritt selbstbewusst auf, formuliert ihre Erwartungen und hinterfragt Entscheidungen. Ein Titel allein schafft noch keine Autorität. Führung soll Orientierung geben und Entscheidungen nachvollziehbar machen. Und Gen Z ist anspruchsvoll. Sie fordert Feedback und Entwicklung, Flexibilität und gute Führung, sinnvolle Aufgaben und Arbeitsbedingungen, die zum eigenen Leben passen. Vieles davon hätten sich frühere Generationen vermutlich ebenfalls gewünscht.
‍Gen Z spricht es aus. Und fordert es ein.
‍
(Warum ich darin nicht einfach nur „hohe Ansprüche“ sehe – und was Augenhöhe, Feedback, Zugehörigkeit, Flexibilität und Entwicklung damit zu tun haben –, habe ich in meinem Artikel „Generation Z in der Arbeitswelt“ ausführlicher beschrieben.)
‍
‍
Das kann unbequem sein. Gleichzeitig zwingt es Unternehmen dazu, sich mit Erwartungen auseinanderzusetzen, die längst Teil unserer Arbeitswelt geworden sind. Gen Z will mitreden, sich entwickeln und als Mensch wahrgenommen werden. Und bei aller Individualität und Flexibilität spielt auch Zugehörigkeit eine wichtige Rolle.

‍Sie ist selbstbewusst, sie hinterfragt und sie fordert – und bringt damit ihre eigene Vorstellung von Arbeit in die Unternehmen.
‍

Illustration Generation Alpha

Generation Alpha - eine neue Erfahrungswelt entsteht

Die Generation Alpha, ungefähr zwischen 2010 und 2024 geboren, steht gerade erst an der Schwelle zur Arbeitswelt. Die Ältesten beginnen derzeit mit Ausbildung und ersten Jobs.

Wie sie Arbeit einmal prägen wird, wissen wir noch nicht. Was wir bereits sehen können, ist die Welt, in der sie groß wird. Smartphone, Social Media, Streaming und eine nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit von Informationen sind von Kindheit an selbstverständlich. Und mit KI verändert sich gerade noch einmal grundlegend, wie diese Generation auf Wissen, Lernen und Technologie zugreift.

‍Gen Alpha wächst mit KI auf.
‍
Sie erlebt Sprachassistenten, Chatbots und generative KI nicht als technologische Revolution, an die sie sich im Erwachsenenalter anpassen muss. Sie gehören bereits zu ihrer Lebens- und Lernwelt. Das könnte einen fundamentalen Unterschied machen. Denn wenn Informationen jederzeit verfügbar sind und KI beim Recherchieren, Schreiben, Übersetzen, Programmieren oder Gestalten unterstützt, verändern sich auch die Fragen danach, was wir wissen müssen, wie wir lernen und worin Expertise eigentlich besteht.

Welche Werte Gen Alpha entwickeln und welche Erwartungen sie später an Arbeit und Führung stellen wird, lässt sich heute noch nicht verlässlich sagen. Aber ihre Erfahrungswelt unterscheidet sich schon jetzt deutlich von der der Generationen vor ihr.

‍Welchen Beitrag sie damit zur Arbeitswelt leisten wird, ist noch offen.
‍
Und genau das macht diese Generation für mich im Moment interessant: Die ersten Alphas kommen in eine Arbeitswelt, in der vier andere Generationen arbeiten – und bringen eine technologische Erfahrungswelt mit, die keine davon in ihrer eigenen Kindheit kannte.
‍

Mit der Generationenperspektive arbeiten

Spannend wird die Generationenperspektive für mich dort, wo unterschiedliche Selbstverständlichkeiten aufeinandertreffen.
‍
Vorstellungen von guter Führung, Präsenz und Loyalität können sich genauso unterscheiden wie der Umgang mit Hierarchie, Feedback oder direkter Kommunikation. Auch Karriere, Erfolg und die Rolle, die Arbeit im eigenen Leben spielen soll, haben für Menschen unterschiedliche Bedeutungen.

Das führt zu Missverständnissen und manchmal auch zu Konflikten. Vor allem dann, wenn die eigene Vorstellung als selbstverständlich gilt und gar nicht mehr hinterfragt wird.

Für mich ist die Generationenperspektive deshalb keine Schublade, sondern eine Brille.
Eine von mehreren, durch die ich auf Menschen, Teams und Organisationen schauen kann. Sie hilft dabei, andere Prägungen und Sichtweisen besser zu verstehen und die eigene Perspektive zu wechseln. Und genauso wichtig: Man kann diese Brille auch wieder absetzen.
‍‍


Denn natürlich lässt sich nicht jeder Konflikt zwischen einem Babyboomer und einem Gen Zer mit ihrer Generation erklären. Persönlichkeit, Rolle, Biografie, Unternehmenskultur und die konkrete Situation spielen genauso eine Rolle.

Im Coaching kann sie helfen, die eigenen Vorstellungen von Führung, Karriere oder Erfolg zu reflektieren. In Teams lassen sich unterschiedliche Erwartungen an Zusammenarbeit besser einordnen. Und in Konflikten lohnt sich der Blick darauf, ob hinter einem Verhalten tatsächlich mangelnder Respekt, fehlende Loyalität oder mangelnde Bereitschaft steckt – oder ob unterschiedliche Vorstellungen davon aufeinandertreffen, wie Zusammenarbeit funktioniert.

Ich arbeite dabei durchaus mit Zuspitzungen. Aussagen über Generationen dürfen auch einmal provozieren. Sie müssen nicht auf jede einzelne Person zutreffen, um einen guten Austausch darüber anzustoßen, was Menschen geprägt hat und welche Erwartungen sie heute mitbringen.

Die Zuspitzung bringt uns ins Gespräch. Und genau darum geht es.


Denn fünf Generationen bringen unterschiedliche Erfahrungen mit. Arbeiten müssen sie trotzdem gemeinsam.

Fünf Generationen. Eine gemeinsame Arbeitswelt.

Keine Generation startet bei null. Jede findet eine Arbeitswelt vor, die von den Generationen vor ihr geprägt wurde.

Die Babyboomer haben andere Erfahrungen gemacht als Gen X. Gen Y hat neue Freiheiten erlebt und Arbeit anders gedacht. Gen Z bringt wieder andere Erwartungen mit. Und mit Gen Alpha kommt gerade die nächste Erfahrungswelt hinzu.

Heute treffen diese Generationen in Unternehmen aufeinander. Mit unterschiedlichen Vorstellungen davon, was gute Arbeit, gute Führung und gute Zusammenarbeit ausmacht. Das kann Reibung erzeugen. Es bringt aber auch unterschiedliche Erfahrungen, Wissen und Perspektiven zusammen.

Dabei geht es aus meiner Sicht nicht darum, dass eine Generation sich an die andere anpasst. Unsere Arbeitswelt verändert sich ohnehin – technologisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Die spannende Aufgabe ist, sie gemeinsam zu gestalten.

Dafür hilft es zu verstehen, warum die Arbeitswelt heute so ist, wie sie ist. Und genauso zu verstehen, warum sie nicht so bleiben wird.

‍Arbeitswelt verändert Generationen. Und Generationen verändern Arbeitswelt.
‍
Gerade sind es fünf, die das gleichzeitig tun.
‍